Katzenschutzarbeit in Berlin

Berlin ist derzeit eine Stadt mit ca 4 Mio Einwohnern, die von überall her kommen und von dort sehr verschiedene Wertvorstellungen mitbringen.

Dem Berliner Katzenschutz fehlt es – solange ich damit zu tun habe – an bedarfsgerechter Struktur. Man kann noch nicht mal von Systemschaden sprechen, denn es gibt gar kein System.

Katzenschutzarbeit ist immer Notfallhilfe im Einzelfall. Um  Notfälle  zu Gunsten von Katzen (und den zugehörigen, verwickelten  Menschen) bedienen zu können, braucht es  einen Plan und viele kontaktfähige Menschen mit  Unterbringungsmöglichkeit, Erfahrung, Wissen, Kompetenz, Zeit und Geld.

Unsere Katzenschutzarbeit bedient eine sehr kleine Ecke vom gesamten Bedarf. Unsere Arbeit  kommt dadurch zustande, dass sich Halter und Finder von Katzen an uns wenden, weil wir ERREICHBAR sind.  Es melden sich  Menschen bei uns, die ihr Tier nicht mehr behalten können oder wollen oder die einfach zeitlich und / oder bildungstechnisch nicht imstande sind, ein aufwändig behandlungsbedürftiges Tier selber zu versorgen. Viele lieben ihr Tier und wollen es nicht unversorgt lassen. Sie wünschen sich jemanden, der ihnen die Last mit dem Tier abnimmt. Sie brauchen so einen. Ihnen die Sorge abnehmen  kann aber nur einer, der 1. das Tier bei sich aufnehmen oder in einer Pflegestelle unterbringen kann und 2. die Kompetenz, die Zeit,  die richtigen Mitarbeiter und das nötige  Kleingeld zur Versorgung von Katzen hat.

Wir  im Berliner Stadtkatzen-e. V. zusammenarbeitenden Katzenschützer sind spezialisierte Fachkräfte in Einzel- und Zusammenarbeit. Bei Ingrid Noto liegt der Schwerpunkt auf Sozialarbeit und Vermittlung, bei Klaus Kowi auf Einfangen und Unterbringen (zumeist im Tierheim Zossen), bei Beate auf Auslandstierschutz, Kastrationsreisen und Vermittlung von Freigängern vor Ort (Berlin Spandau und Umland), bei Rosie  (auch in Spandau) auf Seniorenpflege und Strassenkatzenbetreuung in Spandau, bei Bärbel auf Füttern von Strassenkatzen in Hellersdorf/ Marzahn, Aufnehmen, Versorgen und Vermitteln und (tier)medizinischem Dazulernen. Kerstin nimmt in  ihre Päppelstation in Hellersdorf trächtige Katzen und mutterlose Babys auf. Lore Greve im Süden von Berlin kann leider altersbedingt und aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mitmachen, sie hat jahrzehntelang und oft mit Erfolg ihre ganze Energie in die Rettung von Katzen und in die Weiterbildung von deren Haltern  gesteckt.

Damit habe ich jetzt nur diejenigen Mitglieder benannt, die direkt und unmittelbar mit Katzen zu tun haben, also die Mitglieder in unserem Verein / Verband, die sie bei sich zu Hause oder in wie Satelliten angehängte Pflegestellen persönlich aufnehmen und von da aus sinnvoll zu bedienen versuchen. Ich habe den allergrößten Respekt vor ihnen. Ich habe aber vor vielen Jahren diesen Verband gegründet und die darin befindlichen Menschen zusammenzubringen versucht, weil mir aus der eigenen Not mit meinen eigenen Katzen klargeworden ist, dass es in Berlin keinen bedarfsgerecht funktionierenden Katzenschutz gibt – und dass diejenigen Katzenschützer, die versuchen, die Not zu lindern, als hoffnungslos überlastete Einzelkämpfer beim Versuch der Bewältigung der anfallenden Arbeit (und Kosten) weder vom Land noch von der Bevölkerung ausreichend unterstützt werden.

Wie sieht diese Arbeit im Einzelfall konkret aus?

Wir leben in Berlin jetzt in schwierigen Zeiten  in einem schwierigen Umfeld. Wir erleben Globalisierung und Gentrifizierung, mancherorts scheint es als ob die Berliner „Urbevölkerung“ (damit meine ich die „Einheimischen“ jedweder Herkunft (!), also die, die schon vor 1990 hier gelebt haben) dem Geldfluss weichen müssen. Vielerorts wird Wohnraum von und Berliner Ureinwohnern zugunsten von Immobilienspekulation und sozialer Umstrukturierung des Landes vernichtet. Wohnraum von Normalmenschen ist auch immer Wohnraum von Haustieren. Und der wird immer weniger. Zusätzlich verschwinden auch zunehmend die unbebauten (Grün-)Flächen in dieser vormals sehr begrünten Stadt, also artgerechte Auslaufflächen.

Wie sieht unsere Arbeit ganz konkret aus?

Beispiele:

  1. Fr X ruft aus der Psychiatrie an: Sie ist geräumt worden, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen konnte, vielleicht weil sie krank oder arbeitslos war. In der Wohnung hat sie 3 Katzen zurücklassen müssen. Ob WIR die aufnehmen können? Typisch daran ist, dass diese Opfer des Systems und erst am letzten tag vor der Räumung oder sogar erst 2 Tage danach anrufen und ihre Notlage mitteilen können. Sie meinen nämlich bis zum Schluss, dass es ein Wunder geben könnte, das die Entmietung verhindert und sie meinen auch, dass sie ihre Katzen bis zum letzten Augenblick bei sich haben wollen. Sie melden sich dann auch bei UNS nicht beim TB, weil sie meinen, dass sie später wieder eine Wohnung finden und dann ihre Katzen zurück haben wollen. D. h. WIR sollen die Katzen quasi bei uns zwischenlagern, wir können das aber BEI UNS nicht. Möglich wäre es aber, wenn es in Berlin ein Netzwerk von Katzenleuten gäbe, die für solchen Bedarf Unterbringung und Pflege zur Verfügung stellten, also solche Menschen, die Katzen VORÜBERGEHEND bei sich aufnehmen und nicht die eine, ganz besondere Katze für immer haben müssen.

Aber welcher Berliner  Katzenfreund hat keine Katze und möchte (z.B.)  drei acht bis 14 Jahre Katzen bei sich aufnehmen, von denen eine auch noch dauernd behandlungsbedürftig krank ist?  Wenn wir überhaupt  sinnvollen Katzenschutz in Berlin tun wollen, brauchen wir für die  Unterbringung  und Versorgung der Tiere  Mit- und Zuarbeiter.  D.h. wir brauchen dafür die Bewohner von Berlin. Sie könnten in mehr oder weniger loser Zusammenarbeit mit uns ihre UNVERSEUCHTE Wohnung, in der noch KEINE KATZE wohnt, als Aufnahmestelle  für eine aktuell unterbringungsbedürftige Katze oder so ein Katzenpaket wie oben beschrieben bereithalten. Das Problem bei Katzen ist nämlich, dass alle Stellen, die Katzen aufnehmen, nach kurzer Zeit verseucht sind, da Katzen alle möglichen ansteckenden Krankheiten haben können – und eine einzige Kranke reicht aus, um den halben Bestand einer Aufnahmestelle krank werden oder sterben zu lassen.

2. Herr Z. ruft an, weil eine magere Katze seit Tagen um sein Haus schleicht. Sie ist unterernährt, vielleicht auch krank und noch dazu scheu. Können wir uns darum kümmern?

Vielleicht. Gebraucht wird: Zuerst das Einfangen / Annehmen vom Tier, dann die Unterbringung in einem möglichst  art- und persönlichkeitsgerechten, unverseuchten Lebensraum, evtl tierärztliche Versorgung, Pflege vom Tier am Aufenthaltsort. Evtl Langzeitunterbringung mit Zähmung.

 Katzenschutzbedarf  hält sich  nicht an Uhrzeiten und nimmt auch keine Rücksicht auf die finanziellen Möglichkeiten von der Tierschutzfachkraft oder dem tierschutzwilligen Bürger. Sie fällt zu jeder Uhrzeit an. Und die entstehenden Kosten müssen weitestgehend  aus eigener Tasche bezahlt werden.

Die Mitglieder  der  im Berlinerstadtkatzen eV zusammengefassten kleinen Katzenschutz-vereine sind derzeit alle ziemlich platt und ausgelaucht von jahrelanger übermäßig anfallender Arbeit, die  mehr oder weniger im Einzelkämpfertum bedient werden muss. Wir haben gelernt, dass es sinnvoll ist, wenn wir uns ortsnah betätigen, denn dadurch können wir in Kenntnis der Gegend und der jeweiligen Problematik den Einzelfall besser einschätzen.

Darüber hinaus sind unsere Spezialisten aber auch  berlinweit unterwegs und versuchen,  Engpässe im „offiziellen“ Katzenschutz landesweit zum Wohl  von schutzbedürftigen Tieren und von Tiernot betroffenen Haltern und Tierfindern schmerzlindernd zu bedienen.

Wir wissen: Was wir in Berlin vernetzt ganztags unbezahlt arbeitenden etwa 10 – 15 Leutchen bedienen können, ist vom Bedarf her aufs Ganze gesehen ein Tropfen auf den heißen Stein. Das hindert uns aber nicht daran, es zu tun. Denn wir sind froh, wenn es uns gelingt, im einzelnen uns begegnenden Notfall, hilfreich sein zu können und Schaden beim Tier und beim mitbetroffenen Menschen verhindern oder mindern zu können… Und das können wir oft. In Zahlen bedeutet es etwa 500 gerettete Katzen pro Jahr. Den gesamten Bedarf schätzen wir auf etwa 5000- 10.000 Katzen. Viele von diesen Katzen werden vom tierschutzwilligen Bürger selbst bedient und gehen dadurch am Tierschutz vorbei. Dabei sind dann leider auch die Freigänger, die einfach und zum Leidwesen ihrer Halter verschwinden ohne ausgesetzt worden zu sein. Eine Chippflicht könnte  dies verhindern.

Uns fehlen professionelle Mit- und Zuarbeiter, die natürlich ihre Arbeitszeit entlohnt bekommen müssen, denn von irgend etwas müssen Vollzeit-Katzenschützer ja auch leben. Und mit unendlicher Sozialhilfe und Einraumwohnung sind Katzenschützer für ihre Facharbeit falsch ausgestattet.

Um berlinweit gut helfen zu können fehlen uns Mittel (also Finanzen), über ganz Berlin verteilte Unterbringungsmöglichkeiten,  kompetentes Personal (also Menschen, die genug Wissen und Erfahrung haben um die Arbeit tun zu können) und eben auch eine Struktur, die dem Ganzen so viel Übersichtlichkeit und  Ordnung gibt, dass Fehler erkannt und beseitigt werden können.  Fehlerquellen sind mangelhaftes Wissen, schlechte Ausbildung (Tierärzte!),  fehlende Erfahrung,  fehlende Arbeitskräfte und Finanzen.

Seitdem ich dabei bin, habe ich nicht bemerken können, dass es gültige Richtlinien noch sinnvolle und bedarfsgerechte gesetzliche Regelungen noch überhaupt einen verbindlichen Handlungsrahmen für die Bedienung von Katzenschutzbedarf gibt. Jeder kann machen was er will, auch egal wie verkehrt und wie wenig sinnvoll. Jeder Bürger macht mit seinen Tieren das, was er für richtig hält, und jeder Tierschützer folgt auch keiner anderen inneren oder äußeren Richtschnur als dem, was seine eigene Erfahrung ihn gelehrt hat. Puhh, das ist oft schwer erträglich, denn „learning by doing“. Und natürlich hält jeder etwas anderes für Sinnvoll solange er ausschließlich aus seiner eigenen Perspektive draufguckt.

Die Landesregierung verweigert jede Verantwortlichungsübernahme für bedarfsgerechte Tierschutzpoltik, für die Herstellung einer verbindlichen und verpflichtenden Ordnung (also Struktur) und ist seit Jahrzehnten auch taub für alle Forderungen der vielen mittellosen und arbeitstechnisch überlasteten  Tierschützer. Diese fordern immer wieder  Katzenschutzverordnung, Chippflicht, Kastrationspflicht und Zuchterlaubnis, was alles insgesamt das Ausmaß an Tierschutzbedarf hierzulande erheblich verringern und die Not der Katzen, der Katzenschützer und auch der betroffenen Katzenhalter lindern könnte.

Statt sinnvoll für Veränderung, für Erneuerung zu sorgen überträgt unsere Landesregierung die Verantwortung für Katzenschutz in Berlin dem TVB, aber auch da ohne aber die Kosten dafür zu übernehmen. Genauso wenig wird seitens des Landes für die Erstellung von berlingerechten Strukturen gesorgt. (Z.B.  Gleichbehandlung aller eingetragenen Vereine,  Dezentralisierung und Einzelfallhilfe auf Bezirksbasis.)

Ingrid Noto und auch unsere anderen Katzenfachkräfte  sehen manches im  Tierschutzbedarf in Berlin (und weltweit) aus ihrer Perspektive und daher anders als ich – sie sollen später zu Wort kommen. Denn sie alle haben andere, eigene Erfahrungen mit Einzelfallhilfe rund um die Uhr im (globalen) Katzen(halter)elend.

Auch die anderen selbständig in Berlin arbeitenden Katzenschutzvereine und Einzelkämpfer schauen jeweils durch die Brille der eigenen Erfahrung auf den Berliner Katzenschutz. Jeder von ihnen kommt bei seiner Arbeit zu eigenen Ergebnissen und hat für sich Recht. Jeder versucht mit seinen Mitteln und Möglichkeiten die Erfolgsaussichten für seine Arbeit zu verbessern. Ich kann jeden von ihnen verstehen. Und ich sehe es seit vielen Jahren als meine Hauptbeschäftigung an, diese Menschen im (losen) Kontakt miteinander zu halten und auch manchmal an einen gedeckten Tisch zu setzen, damit sie auch mal aus ihrem Hamsterrad rauskommen ohne da rauszufallen.

Sinnvoll wäre ein regelmäßig zusammenkommendes  Katzenschutzgremium. Es sollte vom Land Berlin finanziell und personell so unterstützt werden, dass es imstande ist,  den Handlungsbedarf im Berliner Katzenschutz bestmöglich bedienen zu können. Unter Einbeziehung aller Aspekte und Möglichkeiten.

Fortsetzung folgt. Ich muss jetzt  schon wieder  weg, denn ich bin  neuerdings   auch öfters im Menschenschutz unterwegs.  Dieses Mal geht’s zum Club der von Menschenärzten  unter Missachtung der gesetzlichen Grundlagen demolierten, multimorbiden alten Schachteln, die sich gegen ihre Beschädigung und Ausschlachtung durch dieses humanmedizinischen Gesundheitssystem  zu wehren versuchen,  welches ja auch  das Kaputtmachen honoriert anstatt es zu verhindern.  Auch da verstecken sich die Systemschäden hinter den angeblichen und juristisch bequemen Einzelfällen. Das dient dem Schutz des Systems und nicht dem Schutz des Lebewesens. Ich bin nun also unterwegs auf der Suche nach Gefährten, die das auch so sehen.

Und dann sind da noch alle die Menschen, die ihr Zuhause nicht verlieren wollen…..

Und die, die nicht vergiftet werden wollen… usw.

Es gibt jetzt wirklich  sehr viele Baustellen… und immer sehr viel zu bedenken, zu tun…

Renalu

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