Gespräche im Revier

Da haben wir ja nicht schlecht gestaunt: Die Bezirks-Obrigkeit interessiert sich für unsere Probleme! Denn: In der vergangenen Woche wurde am Lehniner Platz ein kostenlos benutzbares und barrierefrei erreichbares Wölkchen-Plumpsklo aufgestellt. Wer sagts denn!? Geht ja also doch.

Meine neue Bekannte Petra aus der Droysenstr. und ich haben es sogleich inspiziert und für gut befunden, obwohl es kein Klopapier darin gab (vielleicht schon alle oder geklaut?) und keinen Papierkorb. Das haben wir unverzüglich reichlich nachgeliefert. Braucht das Klo Personal für die ständige Wartung? Wer kümmert sich darum? Ich habe meinem Nachbarn später einen Papierkorb mitgegeben, damit er ihn da reinstellt.

Als ich am vergangenen Sonntag vor einer Woche den Beitrag über die Zustände in unserem Kiez („Revier“) auf dieser webseite veröffentlicht habe, war mir gar nicht klar, dass ich mit dem Hinweis auf fehlende Klos im Revier in ein Wespennest gestochen habe. Hier gibt es offenbar schon länger regelrechte Klo-Kämpfe: die umliegenden Geschäfte für Gastronomie und Unterhaltung sind es – außer einem –  leid, dass Passanten bei ihnen reinkommen kostenlos pinkeln und kacken wollen. Der eine Abweichler ist der türkische Pächter vom „3Eck“ (das Essen schmeckt gut!). Verpachtet wurden die Räumlichkeiten an ihn vom Eigentümer des Gebäudes, der BVG. Zu diesen Räumen gehört ein öffentliches Klo für alle, das auf der Rückseite des Restaurants liegt. Es ist mit einem Schild als öffentliches Klo ausgewiesen.  Aber die Tür ist ständig abgeschlossen. Ich weiß nicht, wer für die Wartung zuständig ist. Aber der Inhaber vom 3Eck habe es zwecks Eigennutzung vereinnahmt, sagt der Nachbar. Die  Bedienung vom „3Eck“ behauptet am 5. 7. 26: „Es ist abgesperrt, weil es kaputt ist! Der Klempner kommt am 7. 7. 26 zwecks Reparatur. Danach wird es wieder geöffnet sein.“ Bis dahin läd sie jeden Passanten dazu ein, seine  Notdurft auf dem Klo im Restaurant zu verrichten.  Aber das steht nicht an der verschlossenen Tür des versperrten öffentlichen Klos. 

Ein Nachbar sagt dazu: „Ich habe wiederholt an die BVG geschrieben und da angerufen und darum gebeten, dass das öffentliche Klo auf der Rückseite vom „3Eck“ benutzbar gemacht wird, aber bisher habe ich keine Antwort erhalten, es ist nichts passiert. Die BVG ist dafür verantwortlich.“ 

Die Bedienung vom „3Eck“ weist mich darauf hin, dass auf dem Bürgersteig vor der Schaubühne mehr als 10 Klos stehen, auch barrierefreie.  Ich gehe rüber und frage den Mann hinter dem Tresen im Café Schaubühne, wem die Klos vor der Tür gehören. Er sagt: „Mir!“ Wir lachen. Ich will wissen, warum sie geschlossen sind und erfahre, dass sie bei Großveranstaltungen geöffnet werden. Denn für die ca 500 Besucher einer Aufführung reichen die paar schlecht erreichbaren Klos im Keller der Schaubühne nicht. Wenn sie geöffnet sind, dürfen alle darauf gehen, auch Passanten. Aber eben zeitlich sehr begrenzt. Und nur 2 sind barrierefrei.

 

Die andere Kritik an unserer Obrigkeit bezog sich ja auf die Grünvernichtung in unserem Bezirk zu Gunsten des Baus von oft unvermieteter, sehr teurer Immobilenmasse für An- und Verkauf durch Leute, die sich hier weder ansiedeln noch integrieren noch mit Einheimischen Bewohnern zu tun haben möchten.

Auch darauf hat unsere Obrigkeit sofort reagiert. Das BA hat guten Willen gezeigt, aber leider die KiezBewohner damit mehr verärgert als erfreut: denn die 10 Bäumchen, die in der vergangenen Woche in Pflanzkübeln als „Begrünung“ und Hitzeschutz oder Wiedergutmachung für das Fällen von großen Bäumen auf den Lehniner Platz gestellt wurden, beschatten die dort aufgestellten Bänke nicht, weil sie zu klein sind. Sie sind auch keine Entschädigung für die gefällten, großen Bäume. Der Austausch von haushohen Bäumen, die zwecks Neubau für Reiche gefällt werden, durch Pflanzkübel, die hübsch anzusehen sind, aber keine Funktion haben, wird vom Bewohner als Verarschung und für-blöd-Erklärung seitens der Obrigkeit erlebt und treibt ihn erst recht auf die Palme. Wohl auch deshalb, weil hier offenbar nicht für genossenschaftliches, integratives Zusammenleben gerodet wird sondern für Steuereinnahmen und Wirtschaftsinteressen. Die sind natürlich nötig für den Erhalt unseres Sozialstaats. Aber das auch  deshalb, scheint uns, weil lokale Geschäftstätigkeit ausgebremst und abgehängt wird. 

Ganz nebenbei habe ich bei den Gesprächen im Kiez auch noch etwas „Hauptberufliches“ erfahren: In der Droysenstr. 11 wird nächste Woche ein Mensch parterre unvernetzt mit 3 Katzen einziehen; es sind 2 Katzen und ein Kater. Hoffentlich kastriert.

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