2. Pankreatitis / Pankreastumor mit Diabetes

15. 6. 2017 (renalu): Der ca 10 – 12 – 14 (?)  Jahre alte Kater „Mirko“, den wir 2009 von Beate Rusch in Spandau bekommen und dann – vielleicht vierjährig – in Einzelhaltung vermittelt haben,  hat seit etwa einem Jahr Diabetes mellitus und mindestens seit Dezember 2016 Pankreatitis.  Pankreatitis ist eine schwere Erkrankung, an der viele Katzen sterben, wenn die Erkrankung zu spät bemerkt wird und die Behandlung zu spät beginnt; sie ist dann meistens aufwändig und selten erfolgreich. In Kombination mit Diabetes sowieso.

Diese Erkrankung ist der Alptraum aller Katzenhalter die schon einmal damit zu tun hatten. Deshalb gehen viele Katzenhalter, die  leidvolle Erfahrungen mit Pankreatitis gemacht haben,  beim ersten Erbrechen  einer neuen  Katze oder beim Bemerken von verändertem Fress- und Saufverhalten SOFORT mit dieser zum Tierarzt gehen und den sfPL-Wert messen lassen.

Denn sie wissen aus eigener leidvoller Erfahrung: wenn der Halter Veränderungen im Fress- und Saufverhalten bemerkt, ist es meistens schon zu spät für eine erfolgreiche Behandlung. Der Beginn dieser Erkrankung ist schleichend und wenig auffällig. Der Halter muss also mit dem Fortschreiten der Erkrankung hilflos dem Verhungern seiner oft unheilbar kranken Katze zusehen – jedenfalls wenn er nicht imstande oder bereit dazu ist, den enormen (und teuren) Aufwand zu leisten, mit dem das Befinden der Katze verbessert und ihr Ende hinausgeschoben werden kann.

Die Ursachen für die Erkrankung an Pankreatitis sind schulmedizinischerseits bislang unbekannt. Dr. vom Hove (u.a.) meinen, dass der Ausbruch dieser Erkrankung an der falschen Fütterung durch den Katzenhalter (vor allem zu wenig Wasseraufnahme bei der Fütterung mit Trockenfutter) und an Bewegungsmangel liegt. Ich halte für gut möglich, dass das häufig einer der Gründe ist. Aber es gibt auch Katzen, die trotz falscher Fütterung und Bewegungsmangel nicht an Pankreatitis erkranken. Chronische oder lang anhaltende, anfangs unbemerkte Pankreatitis zieht oft einen Pankreas(kopf)tumor nach sich.

Wir haben derzeit einen an Pankreatitis erkrankten Kater als Gastkater aufgenommen, den wir vor 7 Jahren gesund an eine selbstlose Katzenkennerin vermittelt haben. Sie hat uns den kranken Kater zurück gegeben, weil sie hofft, dass wir eine Therapie für seine Erkrankung erfinden, die dem kranken Tier noch eine schmerzfreie Verlängerung seines Lebens bei guter Qualität ermöglicht. Da der Kater hier bei uns mit Freilauf genau so zu Hause ist wie bei seinem Frauchen, haben wir uns des Katers (und dem Wunsch seines Frauchens) angenommen  und versuchen ein möglichst gutes Behandlungs-Mangement zum Zweck des Erhalts von Lebensqualität. Unsere Chancen sind allerdings schlecht, denn außer im sfPL-Test nachgewiesener, rückläufiger Pankreatitis hat dieser Kater auch noch Diabetes – und vermutlich auch noch Gastritis oder eine andere Magen-Darm-Erkrankung, die evtl und naheliegenderweise auf die seit Monaten wiederholt verabreichten Medikamente Cerenia (gegen Übelkeit) und Metacam (gegen Schmerzen) zurückzuführen sind.

In diesen Bericht, dieser Diskussion  über die Erkrankungsgeschichte vom ca 10 Jahre alten Kater Mirko, der als besonders schwerer Fall durch Diabetes in Kombination mit Pankreatitis innerhalb von 8 Monaten inzwischen schon 2 kg abgenommen hat (aber bisher keine Fettleber),  gibt es unvermeidbarerweise Infos über die Zusammenarbeit mit den inzwischen 4 behandelnden Tierarztpraxen Bartels, Vöster, Mikulska und König.

Oben: Mirco im Januar 2017 bei uns, da wiegt er  noch etwa 5 kg.

Hier nun vorab erst einmal die Behandlungsempfehlungen von IDEXX (das ist das Labor, das den sfPL-Test macht, der genaue Auskunft über das Vorhandensein von Pankreatitis gibt.)

Pankreatitis-Behandlungsempfehlung Idexx

27. 6. 2017

Am 26. 6. 2017 waren wir mit Mirko zur Ultraschalluntersuchung in der Praxis Dr. König (Zehlendorf/ Clayallee). Die Schallung hat gezeigt, dass der Kater einen bereits 28 mm großen Pankreastumor zwischen Leber, Zwölffingerdarm und Bauchspeicheldrüse hat.

Der Tumor sieht aus wie ein Blumenkohl und ist offenbar bereits mit Zwölffingerdarm und Leber verwachsen. Er ist inoperabel. Das schwarze ist Flüssigkeit im Bauchraum, die dort nicht sein sollte.

Der Befund erklärt sein gestörtes Fress- und Saufverhalten. Mirko frisst noch 8 – 24 g Körnchen pro Tag und „trinkt“ nichts anderes mehr als die Soße und den Gelee von Feuchtfuttern. Nur noch selten  säuft er aus eigenem Antrieb Wasser, auch nicht mehr vom Hahn oder aus der Regentonne. Deshalb bekommt er von uns eine für Ernährung mit Trockenfutter ausreichende Menge Wasser per Spritze ins Maul verabreicht, wenn er nicht selber Flüssigkeit zu sich nimmt. (Dr. W. meint, dass eine Katze mindestens 70 ml Flüssigkeit pro Tag braucht).  Er bekommt auch noch eine angemessene Menge Insulin, die wir meistens schätzen und durch gelegentliche Blutzuckerkontrolle bestätigen lassen.

Unsere Heilungsmöglichkeiten sind gleich Null. Wir tun ihm nun nichts mehr an als ihm ein Leben nach seinen Wünschen  bei uns im Einzelzimmer mit eigenem Balkon und Auslauf zum Hof zu bieten. Das nimmt er gern an. Tagsüber hält er sich vorzugsweise draußen auf; er rennt auch noch hinter Vögeln her (die er nicht kriegt) und schläft am liebsten unter Büschen und in Körben. Nachts kommt er rein und zu mir ins Bett. Er beobachtet genau, wann ich mich da rein begebe und folgt unverzüglich.

Wir werden ihn erlösen sobald er nicht mehr fressen kann oder so schwach auf den Beinen ist, dass er sich nicht mehr aus eigener kraft überall hinbewegen kann, wo er hin möchte.

Frauchen ist natürlich sehr traurig (wir hier sind nur die Pflegestelle), denn dieser Kater war eine ungewöhnlich deutschsprachige, gehorsame und menschenbezogene Katze. Er war ihr wichtigster Lebensgefährte. Sie besucht ihn jeden Tag und setzt sich zu ihm auf den Hof.

Da Frauchen Mitleid mit Tieren hat, hat sie aber in das verwaiste Zuhause von Mirko bereits eine noch unsichtbare, scheue schwarze Katze aufgenommen, die jemand vor einem Baumarkt ausgesetzt gefunden und uns gebracht hat.

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6. 7. 2017: Seit einigen Tagen frisst Miko erstaunlicherweise wieder ordentlich. Das merken wir daran, dass er im Abstand von 2  Tagen  große Würste absetzt und dass sein Blutzucker vor der Spritze auf über 350 mg/l ansteigt so dass er wieder mehr Insulin braucht.

Frauchen, die ihn auf unserem Hof beschmust und beaufsichtigt, ist entzückt.

11. 7. 2017

Mirko nimmt ab, weil er nicht genug frisst. Er frisst aber immerhin noch genug um keine Fettleber zu bekommen. Die Aussicht darauf wird allerdings auch dauernd geringer in dem Masse wie der Kater abnimmt: dadurch dass das Fett an seinem Leib verschwindet, gibt es immer weniger Masse, die in Blutzucker umgewandelt werden kann.

Abgesehen davon  ist er immer noch erstaunlich fit und munter. Sein Verhalten im Umgang mit uns Menschen ist unverändert. Er schmust nach wie vor gern mit uns.  Unten schmust er auch mal mit einem Stein. Wir schenken ihm Lebenszeit und behalten ihn im Auge.

Für mich ist Sterbebegleitung anstrengend. Deshalb verbringe ich manche Nacht bei meiner Therapeutin namens Krümel. Sie hat es gut drauf, mich zu trösten und wieder aufzubauen. Inzwischen ist sie  auch schon 18, 7 Jahre alt, sie wurde hier geboren und per Hand von mir aufgezogen. Wir sind im Lauf der Jahre ein gutes Team geworden.

Die Seite wurde zuletzt geändert am 11 Juli 2017.