Frust im Tierschutz: Igelschutz braucht Nachwuchs und Landesunterstützung

Tierschützer brauchen in allen Sparten Unterstützung. Die meisten sind überaltert, Einnahmen und ernstzunehmender Nachwuchs fehlen, die Alten machen sich Sorgen, wie es ohne sie weitergehen soll. Junge sind globalisiert und digitalisiert, also weder ortsansässig noch zeitlich verfügbar und einsatzfreudig…

Hier der Brief einer betagten Igelschützerin an die Tierschutzbeauftragte vom Land Berlin:

From: Karin Oehl <nc-oehlch@netcologne.de> Date: So., 11. Nov. 2018 um 18:57 Uhr Subject: Gern auch zur Weitergabe

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Sehr geehrte Damen u. Herren,

Schon vor einigen Jahren hatte ich die Absicht, die nun seit fast 40 Jahren bestehende u. stark frequentierte Igelstation zu schließen  weil die Zugangszahlen ständig stiegen, meine Gesundheit aber deutlich machte, dass ich der Belastung nicht mehr hinreichend gewachsen bin.

Auch ist es nicht mehr zu verantworten in einem Privathaus derart viele Tiere aufzunehmen u. zu versorgen. Zum Glück ist die finanzielle Belastung durch große Hilfe erträglicher geworden, denn mit Zuckerwasser kriege ich die Tiere weder gesund noch groß.

Auf dringende Bitten u. in der Einsicht, dass der Bedarf sehr hoch ist – immerhin haben wir einen Jahreszugang zwischen 300 u. 400 Tieren, habe ich dieses Ansinnen trotz deutlicher gesundheitlicher Einschränkungen zurück gestellt.

Mehrfach habe ich angeboten, Schulungen u. Vorträge zum Thema Igel zu halten, das Interesse hat sich sehr in enttäuschenden  Grenzen gehalten.

Nun ist der Igel wohl das am häufigsten in der Tierarztpraxis vorgestellte Wildtier u. leider werden Igelfinder sowohl von den Auskünften der tierärztlichen Mitarbeiter, wie auch von den Tierärzten nicht zufriedenstellend beraten u. behandelt. Immerhin sind diese Tiere auch so gut wie nicht Gegenstand der Ausbildung.

Ja es kam häufig vor, dass tierärztlich Mitarbeiter ohne zu hinterfragen, was der Aufnahmegrund ist, einfach empfohlen haben, das meist kranke oder verletzte Tier am Fundort auszusetzen , ja schlimmer noch, es wurde gesagt:,, Sie können den Igel bringen, wir schläfern ihn sowieso ein!”

Das ist weder gesetzeskonform noch mit der tierärztlichen Ethik vereinbar.

Ich hatte gehofft, dass sich in den Jahren, die ich nun schon weiter gemacht habe in Zusammenarbeit  mit engagierten u. igelkundigen Tierärzten, die Situation für den Igel deutlich verbessern würde, denn der Lebensraumverlust, der Verlust der Nahrungsvielfalt u. die Gefährdung für den Kulturfolger IGEL haben zu-  statt abgenommen.

Und Igel sind keine Holzstöckchen sondern lebende, fühlende Tiere, wie geliebte Haustiere auch.

Noch immer ist trotz aller Bemühungen der Informationsstand zu diesem Tier  schlecht, Weder in der Öffentlichkeit , noch dort, wo  man kompetente Hilfe erwarten dürfte, nämlich in den Tierarztpraxen, wohin man sich  mit einem offensichtlich kranken oder verletzten Tier zunächst Hilfe suchend wendet, noch in Tierheimen, wo entweder keine Igel aufgenommen werden oder die Ausbildung der Tierpfleger zu dieser Spezies wirklich  gut wird wirklich kompetent beraten.

Nun lässt mein fortschreitendes Alter u. mein Gesundheitszustand einen weiteren Betrieb der Station in der bisher gewohnten Form  bestenfalls noch bis zum Frühling zu, das heißt bis zur Auswilderung im Mai /Juni2019.

Da aber der Bedarf an sachkundiger Hilfe anhaltend groß ich, biete ich noch einmal an, zu schulen, zu informieren. Anmeldungen sind ab sofort erbeten.

Dabei ist zu bemerken, ein Stündchen oder zweimal hinhören und reinschaun reicht absolut nicht.

Mit Ende der Saison 2018/19 wird  die Station geschlossen. Ich bin dann 75 Jahre alt.

Mir tun schon heute die Tiere leid, die dann keine sachkundige Hilfe mehr erfahren, denn privat geführte Stationen sind nicht flächendeckend vorhanden u. da der Begriff nicht geschützt ist, ist die Qualität der Igelhilfe in privater Hand qualitativ äußerst unterschiedlich. Von mir geschulte Leute führen heute längst eigene so stark frequentierte Stationen, dass eine Übernahme aller sonst hierher gebrachten Tiere nicht möglich ist.

Viele mit Begeisterung eingestiegene Helfer haben schnell das Handtuch geworfen ob der frustrierenden Situation, der finanziellen u. familiären Belastung.

In wie weit die Betreuung im Tierheim gewährleistet ist, kann ich nicht beurteilen, Es waren Mitarbeiter einige Stunden hier, aber in dieser Zeit kann ich meine 40 jährige Erfahrung nicht weiter geben, bleibe aber als BMT-Mitglied im Hintergrund gern hilfsbereit und ansprechbar, wenn es gewünscht wird, so lange es mir möglich ist.

Es tut mir leid, wenn meine Nachricht so negativ zu Ihnen rüber kommt, aber Grund zum Jubeln u. Grund positiv zu berichten ist leider keiner vorhanden.

Seit Mai 2018 nähern wir uns bereits wieder einer Zugangszahl von annähernd 300 Tieren.

Mit sehr besorgtem Gruß und einem Funken Hoffnung, dass es noch einen deutlichen Ruck zum Positiven gibt.

Karin Oehl

 

 

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