Säugetierschutz und Lebensqualität

„Fufus Wiese“ ist weg!

21. 6. 2014: Gestern bemerkte ich, dass hinter unserer Katzenwohnung die linker Hand liegende Wiese verschwunden ist, die es bisher durch das Fehlen des Hinterhauses in der Roscherstr. 13 a dort gab. Da, wo Anfang der Woche noch „Sanfours Wiese“ war, gähnt jetzt ein großes Loch. Von den Ausschachtungsarbeiten (am vergangenen Dienstag) hatte ich nichts mitbekommen, weil ich mit dem Hörsturz beschäftigt war, den mir der direkt an unseren Garten grenzende Kindergarten mittels WM-Spielen (d.h. infernalischem Geschrei) beschehrt hatte, der zwischen der neuen Baustelle und unserem Haus liegt.

Von einer Nachbarin erfuhr ich nun, dass das Land Berlin das Bebauungsverbot für Hinterhäuser in Karrees wie unserem aufgehoben hat, so dass der Eigentümer von Roscherstr. 12 den hinteren Teil vom Nachbargrundstück (Nr. 13 a) erwerben konnte, um dort nun ein weiteres 4-stöckiges Haus mit Eigentumswohnungen an seins zu hängen. Stimmt das – oder wurde es nur den behelligten Nachbarn erzählt um sie zu beruhigen?

Ist Berlin ein Paradies für Investoren der Baubranche? Werden wir hier lebende Bürger jetzt zubetoniert?  Wir Berliner Anwohner sind Leidtragende dieser Geschäftsidee, die uns unsere Lebensqualität noch weiter verschlechtert (noch weniger Licht, noch lautere Beschallung durch den Kindergarten daneben wegen der nun dort neu entstehenden Brandmauer), wurden weder unterrichtet noch angehört. Wer möchte sich mal mit der Rechtmäßigkeit dieser Bebauung befassen? Und wer ist für die angeblich zugrunde liegende  Gesetzesänderung verantwortlich?  Das Schöne an Berlin ist ja gerade, dass diese Stadt nicht so eng mit Beton zugebaut ist wie die meisten anderen Großstädte. Und wer will das nicht? Ich weiß ganz genau, was ich gern mit ihm tun würde!

23. 6. 2014: Nun habe ich in der Berliner Woche (Nr. 24) gelesen, dass in unserem Bezirk zusätzliche 15.000 Wohnungen jährlich in neu zu errichtenden Mietshäusern auf die verbliebenen Grünflächen gebaut werden sollen. Das bedeutet, dass jeder Busch durch ein Mietshaus ersetzt wird, so dass wir am Ende in einem Betonpalast leben werden. Dazwischen bleiben dann sicher Kastanien stehen, die verhindern sollen, dass unten irgendwelches Licht oder Wasser / Regen ankommt. Und das Ganze wird dann als Kapitalanlage an Reiche (hier derzeit offenbar v.a. Russen usw.) verkauft, weil Berliner es sowieso nicht bezahlen können und auch nicht so leben wollen.

Mir scheint, ich muss, wenn ich dem Tier- und Menschenschutz einen Gefallen tun möchte, das Fach wechseln und von Katzen auf Stadtentwicklung umwechseln. Als gelernter Geographin (mit Staatsexamen) liegt mir das ja gewissermaßen im Blut. Und der Erhalt von Grünflächen in den Lebensräumen für Menschen und Tiere ist ja auch nahe am Säugetierschutz.

Ich wünsche mir eine stattliche Anzahl von Mitstreitern in einer Brügerinitiative. In meinem Umfeld kenne ich NIEMANDEN, dem diese Bebauungspläne recht sind. Überhaupt sollte in allen Punkten, in denen die Lebensqualität der Bürger betroffen ist, nichts ohne deren Einverständnis erlaubt sein.

2. 7. 2014: Mein Problem ist, dass ich nur regional denken kann und nicht global. Das gilt für den Tierschutz wie auch für alles andere. Ich frage mich, wer die einfachen Menschen mit einem ZUHAUSE schützt, wenn nicht die landesregierungen, wenn die Infrastruktur und der Boden/ die Wohnungen  einer Stadt Firmen in Amerika, China oder Russland usw. gehört. Also: Wie gut für den ärmeren Bewohner in Berlin ist eine money makende Firma mit Sitz in Chicago, Peking oder Moskau oder sonstwo. Und was werden die weniger wohlhabenden und nicht globalisierbaren Menschen in Berlin u.a. tun, wenn die Landesregierungen kein Mitspracherecht mehr haben bei der Mietpreisgestaltung… und wenn die Landesregierungen  dann  irgendwann wohl auch die Mieten für ihre Arbeitslosen nicht mehr bezahlen kann, weil sie zu hoch gestiegen sind? Bekommen wir dann hier auch Elendsviertel? Und bei wem werden die Armen dann Hilfe für sich suchen? Ist dieses für mich nicht verstehbare Gewinnstreben nur dazu da, das Problem in die Zukunft zu verschieben? Vertrauen wir dabei auf den Fluß der Energie? Wer kann mir beim Denken helfen?  Renate

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Oh Jubel! Heute (25. 7. 2014, ca 19: 10 h)  wurde im RBB 88.8 gesagt, dass eine Bürger-/ Anwohnerinitiative in Prenzelberg ihren Prozess gegen einen Investor gewonnen hat, der ihnen direkt vor die Nase ein Mietshaus in den Garten gebaut hatte. Er muss es wieder abreißen, befand der Richter, weil sich durch die Errichtung des neubaus die Lebensqualität der Anwohner erheblich verschlechtert hat. Oh, wie bin ich froh, Berlinerin zu sein – denn sowas ist wohl am ehesten hier möglich. Vielleicht macht dieses Urteil ja ortsunkundige Investoren ohne irgendein Interesse an der Lebensqualität von Menschen doch etwas vorsichtiger! 

Lieber Richter! Danke, danke! RenaLu

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